Hier ist die Atmosphäre fast ländlich, die Anlage und die Einrichtungen erinnern mich an Bournville in England, ein in sich abgeschlossenes Fabriksarbeiter/innen-Dorf, das anfänglich rund um Cadburys Schokoladenfabrik gegründet worden war. Obwohl es hier keine Wohnhäuser gibt, liegt noch immer ein Hauch eines vormarxistischen, sozialutopischen Impulses in der Luft, aus dem in vielen Teilen Großbritanniens Musterdörfer entstanden. Hier aber ist es mit der Regelmäßigkeit eines militärischen Lagers zusammengeschweißt. Wir werden am Eingang des Museums von der Frau, die uns führen und uns die Exponate zeigen wird, erwartet. Sie betont, dass sich die Anlage des Arsenals bis zum Russisch-Türkischen Krieg (1877–78) zurückdatieren lässt. Später wurden hier Waffen nicht nur aufbewahrt, sondern auch repariert, gefolgt von autonomer Produktion. Während der kommunistischen Ära wurden dann viele Arten von Präzisionswekzeugen und Waffen unter Lizenz hergestellt, einschließlich der legendären AK47.

In einem ziemlich großen, separaten, relativ freundlich gestrichenen Raum - im Kontrast zu dem in zwei Tönen schlachtschiffgrau ausgemalten Historischen Museum - befindet sich eine Verkaufsvitrine mit einer Auswahl an modernsten Handfeuerwaffen. Eine kleine, effizient aussehende Maschinenpistole mit Laserzielfernrohr und Schalldämpfern heißt SHIPKA… Der Export von Waffen war immer eine der Haupteinnahmequellen für Bulgarien, obwohl in den letzten Jahren auf Grund der Entscheidung, der EU beizutreten, der Handel immer komplizierter wurde, weil das Land politischem Druck aus Amerika und Europa ausgesetzt war. Das verhinderte die bulgarischen Geschäfte mit seinen ehemaligen Handelspartnern Irak und Libyen mehr oder weniger. Es ist der letzte Teil der Präsentation, den wir besuchen, und der Kontrast zwischen den innen ausgestellten Produkten und der Ruhe, der Juniwärme, den Arbeiter/innen, die ihre Sandwiches im Park essen, den singenden Vögeln in den Bäumen, könnte nicht pointierter sein.

Zurück am Tor werden unsere temporären Identitätsausweise eingesammelt, unsere Pässe zurückgegeben und schon bald sind wir wieder außerhalb der mit Razor Wire bedeckten Mauern.

Am Nachmittag besuchen wir einige thrakische Grabhügel, einer mit einem Tempel, wie sich herausstellt. Die Grabkammer ist aus solidem Stein herausgehauen und als wir in den Hügel hineingehen, sehen wir, dass jeder schmale Vorsprung in der Wand mit kleinen Münzen von ein bis zwanzig Stotinki bedeckt ist. Das scheint ähnlich zu sein wie der Brauch, Münzen in einen Brunnen zu werfen, aber es erinnert mich in diesem Kontext auch an die jüdische Tradition, beim Besuch eines Grabes einen Stein darauf zu legen. Die Frau, die die Eintrittskarten, Postkarten und Souvenirs verkauft, entmutigt mich eine DVD über Thrakien zu kaufen, es hätte schon einige Beschwerden gegeben, die DVDs funktionierten nicht und man könne sein Geld nur wiederbekommen, wenn man die DVD persönlich zurückbringe.

In Kazanlak essen wir zu Abend und am Weg zurück zum Hotel hören wir von ein Roma-Hochzeit, die im Kulturzentrum Arsenal stattfinden soll, dem Multifunktionsgebäude, manchmal Gemeindezentrum, Theater, Bibliothek und manchmal auch Kino. Für die Hochzeitsfeier wurde das angeschlossene Restaurant Capital gemietet. Wir hören eine Zeit lang von außen zu, bevor wir in unser Hotel zurückgehen.

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