Das Gespräch nähert sich seinem Ende und in mir bleibt ein Gefühl von jemandem zurück, der zwar in seiner eigenen Kultur zuhause ist, dem aber zur gleichen Zeit bewusst ist, dass er bestimmte Kompromisse mit dem herrschenden politischen System, innerhalb dessen er lebt, eingehen musste. K. schenkt uns ein signiertes Exemplar seines Buches, das L. und ich leider nicht lesen können.

Die Straßen im Stadtzentrum sind nahezu leer, als wir zurückkommen, abgesperrt mit diesen allgegenwärtigen Polizeibändern von der „Polizeisperre, Durchgang verboten“-Art. Was wir sehen entspricht nicht unseren Vorstellung von einem Staatsbesuch, sondern eher dem Zustand einer Stadt, in dem gerade der Notstand ausgerufen wurde. Diese Erfahrungen hier und letztes Jahr in Wien zeigen eine zunehmende (und nicht nur physische) Distanz zwischen Politiker/innen und den Menschen: die Schmälerung demokratischer Rechte, steigende Kosten für die Sicherheit, Städte im Stillstand, Demonstrationen, die die Adressierten, außer in den Medien (wenn überhaupt), niemals sehen – all das ist symptomatisch für diese wachsende Kluft.

Zusammen mit anderen, die auf diese verlassene Stadtatmosphäre neugierig sind, patrouillieren wir entlang der Ränder des abgesperrten Gebietes und merken es sofort, sobald wir die unsichtbaren Grenzen ins normale Leben überschreiten. Das ist noch so ein Besuch eines Präsidenten der Vereinigten Staaten, der, so steht es zumindest in den Zeitungen, einen Deal machen will. Bulgarien erklärt sich einverstanden, als Teil des so genannten „Raketenschildes gegen Russland“, dem Polen vor einigen Monaten beigetreten ist, Waffen auf seinem Territorium zu stationieren. Im Gegenzug werden die Anforderungen für bulgarische Visa in die USA erleichtert oder es wird Hilfe in der Krise der bulgarischen Krankenschwestern in Libyen angeboten.