Ohne Titel
Judith Fegerl
Aluminiumfolie, Ölpapier, Tabbing Wires, Kupferkontakte
30 × 30 cm
2019
Ankauf 2025
Inv. Nr. 0491
Judith Fegerl untersucht in ihren Arbeiten die Schnittstellen von Energie, Materialität und Raum. In quadratischem Kleinformat kombiniert sie ein mehrschichtig mit Öl appliziertes, farbig schimmerndes Rechteck mit zwei Kupferplättchen und einer metallenen Spange, die auf dem Papier aufgebracht und von einer Aluminiumfolie isoliert sind. Die Komposition verweist auf minimalistische Formensprache, doch hinter der reduzierten Ästhetik verbirgt sich ein komplexer physikalischer Prozess: Elektrizität wird nicht nur thematisiert, sondern als integraler Bestandteil des Werkes erfahrbar gemacht.
Ein zentrales Element ist das sogenannte „Tabbing Wire“, ein flaches, zinn- und kupferbeschichtetes Kabel, das in der Solartechnik zur elektrischen Verbindung von Solarzellen eingesetzt wird. Es leitet Strom weiter zu Bus-Bändern oder Sammelschienen und steht sinnbildlich für die Infrastruktur moderner Energiegewinnung. Die Künstlerin überführt dieses unscheinbare technische Bauteil in einen künstlerischen Kontext und macht damit Energieflüsse visuell erfahrbar.
Die Arbeit aus dem Jahr 2019 ist ein frühes Beispiel für Fegerls vielschichtige Praxis, in der physikalische Grundgesetze nicht nur zitiert, sondern in einen poetischen Dialog mit Material und Form gebracht werden. Sie eröffnet einen Raum, in dem Technik und Kunst als komplementäre Kräfte dargestellt werden.
Heike Maier-Rieper
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