When was the last time you felt truly alive, my love?
Klelija Zhivkovikj
variabel
Inv. Nr. WP_39
Die Praxis von Klelija Zhivkovikj bewegt sich zwischen Kunst, Design und Forschung und untersucht soziale, emotionale und ökologische Beziehungsgeflechte. Ausgangspunkt ist stets, wie die Künstlerin selbst formuliert, „the ongoing research into aliveness that drives my artistic practice“. Aufbauend auf Audre Lordes Verständnis des Erotischen als Kraft und Anna Tsings Konzept einer Wiederauflebens der Artenvielfalt im Holozän widmet sich Zhivkovikj der Erforschung von Lebendigkeit als einer grundlegenden, von allen Lebewesen geteilten Ressource. Angesichts der vielschichtigen technologischen, politischen und ökologischen Herausforderungen der Gegenwart versteht sie ihre Arbeit als Beitrag zu der Aufgabe, sich eine wiedererstarkende Welt vorzustellen und aktiv hervorzubringen.
Die von ihr für die evn sammlung gestaltete Tapete mit poetischem Titel basiert auf einem seriell angelegten, geometrischen Muster. Der dunkle Hintergrund verstärkt die Wirkung der grafischen Elemente und erzeugt eine dichte, konzentrierte Atmosphäre. Zur Generierung dieses Musters setzte die Künstlerin, die mit Schwerpunkt auf Social Design ausgebildet wurde, digitale Software ein: Mithilfe von TouchDesigner, einer visuellen Programmiersprache zur Echtzeit-Erstellung von Multimedia-Inhalten, visualisierte sie Ton- und Sprachaufnahmen aus früheren Arbeiten mithilfe eines vorgefertigten Codes in Echtzeit. Die so generierten Bilddaten bilden die Grundlage des Tapetenmusters und übersetzen immaterielle, zeitbasierte Inhalte in eine dauerhafte visuelle Struktur. Dabei folgt Zhivkovikj einem erweiterten Technologiebegriff: „Technology is not just the capitalistic manifestation of ingenuity […]. It is any tool that we can access that can transform one thing into another.“ Formal erinnert die Arbeit an Muster der Wiener Werkstätte, insbesondere an deren streng geometrische Ornamentik mit klaren Kontrasten auf dunklem Grund. Diese Referenz wird jedoch nicht historisierend eingesetzt, sondern in einen zeitgenössischen Kontext überführt: Ornament ist bei Zhivkovikj ein Medium von Beziehung und Resonanz – getragen von der Überzeugung, dass Technologien, jenseits ihrer kapitalistischen Verwendung, das Potenzial besitzen, transformativ auf die Gestaltung der Gegenwart einzuwirken.
Heike Maier-Rieper, 2026