ARCHĒ
Hristina Ivanoska
Collage aus mehreren Scherenschnitten
70 × 50 cm, gerahmt
2026
Ankauf 2026
Inv. Nr. 0515
ARCHĒ greift einen Begriff auf, der in der vorsokratischen Philosophie den Ursprung, das erste Prinzip und den Beginn aller Dinge bezeichnet. In ihrer aus mehreren Scherenschnitten aufgebauten Collage übersetzt Hristina Ivanoska diese Idee in eine vielschichtige visuelle Struktur: Fragmente von Pflanzen, ornamentalen Formen und linearen Geflechten überlagern sich zu einem dichten Gefüge, das zwischen Wachstum, Erinnerung und Ordnung oszilliert.
Die Arbeit entfaltet sich als offenes Netzwerk von Beziehungen. Organische Elemente treten hinter einem Geflecht aus Linien hervor, werden verdeckt und zugleich sichtbar gemacht. So entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen Erscheinung und Verborgenem. ARCHĒ zeigt einen Prozess des Werdens, in dem Ursprung stets mit Veränderung und Überlagerung verbunden ist.
Charakteristisch für Ivanoskas Praxis ist die Verbindung von Sprache, Zeichen und Bild. Auch in dieser Arbeit erinnern die verschränkten Linien an Schriftzüge, Diagramme oder kartografische Systeme. Die monochrome Farbigkeit lenkt den Blick auf Form, Schatten und Materialität. Durch die reliefartige Schichtung der ausgeschnittenen Elemente entstehen Licht- und Tiefenräume, die die Räumlichkeit der Arbeit betonen. ARCHĒ lädt dazu ein, den Ursprung nicht als festen Punkt, sondern als fortwährenden Prozess der Verflechtung zu begreifen. Im Kontext der feministisch geprägten Arbeitsweise der Künstlerin lässt sich das Werk zugleich als Reflexion über ein weiblich konnotiertes Urprinzip lesen.
Text: Heike Maier-Rieper, 2026
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