THE DAY I KILLED ELVIS (Tapete)
Elisabeth Bakambamba Tambwe
Tapete; Digitaldruck mit einer digital bearbeiteten Fotografie als Original
Maße variabel
2020
Commission 2020
Inv. Nr. WP_19
In The Day I killed Elvis zeigt Elisabeth Bakambamba Tambwe hunderte Selbstporträts en miniature. In Cowboymanier und in Anlehnung an Andy Warhols Double Elvis richtet sie den Revolver direkt auf die Betrachter*innen. Die kreisförmige Vervielfältigung der Figur in unregelmäßiger Abfolge erinnert an Kaleidoskope, an Spitzenklöppelei, an sich bewegende Zahnräder oder an architektonische Elemente der Gotik. In der tapetenartigen Anordnung verliert das Motiv seine heroische Singularität und gewinnt stattdessen eine rhythmische, beinahe ornamentale Qualität. Das ikonische Bild des Cowboys – Sinnbild westlicher Männlichkeit, Gewalt und Mythos – wird durch die künstlerische Selbstaneignung verschoben und feministisch kritisch gebrochen.
Die Tapete entfaltet sich als vielschichtiges Tableau zwischen Ornament, Selbstinszenierung und politischer Bildsprache. Wiederholung und Serialität fungieren dabei nicht als bloß dekorative Mittel, sondern sind zentral für die Bedeutungsproduktion. Die Tapete wird zum Bildträger, der individuelle Identität mit kollektiven Bildgedächtnissen verknüpft und den umgebenden Raum aktiv strukturiert. Die Logik der Wiederholung folgt einer fraktalen Struktur: Das Bild vervielfacht sich und besetzt den visuellen Raum, der wiederholte Körper bleibt präsent und bricht den Anblick des Dekors. Die scheinbar florale Struktur ist der Ausdruck einer Hinterfragung von Repräsentation, Sichtbarkeit und Macht. Das Fraktal fungiert dabei weniger als formales Prinzip denn als strategisches Werkzeug.
Die Künstlerin, geboren in Kinshasa, studierte Bildende Kunst und Bildhauerei in Lille und lebt heute in Wien. Insbesondere Tambwes choreografische Arbeiten und Performances setzen sich mit der Dimension des Körpers auseinander und reflektieren Fragen von Sichtbarkeit, Zuschreibung und kultureller Codierung. Ihre künstlerische Praxis ist geprägt von einem souveränen Umgang mit Zitaten aus Geschichte, Popkultur und politischer Ikonografie. Dabei verbindet sie autobiografische Perspektiven mit globalen Bildwelten und hinterfragt dominante Narrative von Identität und Repräsentation.
In diesem Kontext fungiert die Tapete nicht als Hintergrund, sondern als erzählerisches Feld. Besonders der Twist – die Überblendung der Figur Elvis Presleys in ein Selbstporträt der Künstlerin – wirkt zugleich humorvoll und entlarvend. Denn der weiße Presley gilt als erster Megastar einer Musik, deren ästhetische und soziale Wurzeln überwiegend afroamerikanisch sind. In der seriellen Wiederholung des Bildnisses entsteht ein visuelles Spannungsfeld zwischen Frau und Mann, zwischen Individuum und Masse, zwischen Selbstermächtigung und medialer Vervielfältigung. Tambwes Werk fordert die Betrachtenden auf, gewohnte Sehweisen zu hinterfragen und die Machtstrukturen und Dynamiken, die sich in Bildern manifestieren, neu zu lesen.
Heike Maier-Rieper, 2026
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Wallpaper #4, evn sammlung, Maria Enzersdorf, 2020
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Wallpaper #4, Wien 2021, S. 3, 7–13 (s. p.)